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Aus dem Pensionat 13.5.13

Aus dem Kopf 

Die Frage nach den Fragen - Antwort 1

Die Fragen sind doch ganz klar, wenn alle Anzeichen zusammengenommen werden, was Bernstein (Musik, Die offene Frage, Vorlesungen an der Havard Universität, 1976) wieder exemplarisch tut / tat: Wird sich 1914 wiederholen - gerade weil das heute so unahrscheinlich erscheint, warum ist das trotz völlig veränderrter Zeiten möglich und naheliegend, sind sie wirklich so verändert oder doch eher Geschichtskreislauf, wie sollen sie verändert sein, wenn wir nicht verändert sind, also immer noch in Gier aus Angst vor dem Verhungern sogar physisch, aber noch viel eher und streng darauf folgend, unerbittlich wie ein Naturgesetz aus psychischer Angst vor dem Verkümmern, fehlender Zuwendung, Geborgenheit, Bestätigung und in allem also unmöglich frei, offen, zugewandt den wirklichen Fragen und Problemen des wirklichen Lebens - und wieweit trifft dies alles mich selbst, nicht irgendein allgemeines Individuum, Gattungswesen, Genom irgendeiner abstrakten, alle Zeiten übergreifenden Gesellschaft irgendwann, sondern jetzt, heute, gestern, jeden Tag, an dem es nicht überlagert wird und ich es nicht aktiv verdränge, indem ich mich nicht stelle, bewusst frei mache, entschieden und genussvoll öffne, statt daran zu leiden und erst danach einen Moment der Erleichterung zu haben?? - Und zugleich mit Morris (Wie wir leben und wie wir leben könnten, 1884)- Ist seine, meine, vielleicht auch Bahros Vision denkbar, möglich, ja notwendig keine Utopie, sondern kommendes Glück, weil es heut im einzelnen schon ist, was klingt wie Marxens freie Assoziation freier Produzenten: <Stell dir vor, die Menschen leben in kleinen Landgemeinden unter Gärten und grünen Feldern, so dass man nach einem Spaziergang von fünf Minuten in offener Landschaft ist, wenig Bedürfnisse, fast keine Möbel, nachdenkend über die Kunst, sich am Leben zu freuen und was sie eigentlich wollen>!!

Dienstag Mai 14th // Filed under: Geschlecht,

Aus der Familie

Vatergang

Er sitzt wieder am Tisch. Der Platz neben ihm ist frei, da, wo seine Freundin saß. Der Tisch davor zur Tür hin hat nun zwei Plätze weniger und steht andersherum. Viel Veränderung, nickt Vater. Die Alten Herren sind nicht da. Ilse, <die Fregatte>, fehlt. <Meine Mama> krächzt kaum noch verständlich und löst sich langsam in ihre Gesichtsfalten auf. Wir haben niemanden verloren in letzter Zeit, wendet die Schwester ein. Die Herren sind auf ihren Zimmern. Wollen wir nicht vor die Tür fahren, frage ich vorsichtig. Das Fenster reicht mir völlig, erwidert Vater entschieden. Das habe ich jeden Tag. Das Wetter ist schön, ruft die Schwester, alle auf den Balkon. Vater ruckt fügsam. Auf dem Gang guckt er verunsichert - mein Zimmer? Da steht es, kann ich ihm zeigen und er ist beruhigt. Wie weit müssen wir gehen? Bis zum Ende des Ganges. Dort steht das Sofa. Vater setzt sich sofort und blickt auf den Balkon. Wollen wir nicht hinaus? Draussen sitzen der <Aufseher> und die <halbtote Frau.> Sie haben die Stühle in den Schatten gestellt. Es ist, sagt der Aufseher, in der Sonne zu warm. Er ist hier einer der Chefs, hatte Vater mir geflüstert. Der <Chef> ist bürgerlich gekleidet, nur die Kravatte fehlt zu Hemnd und Weste. Er reagiert auf mich wie Vater auf ihn doch mit einer Art vorauseilendem Gehorsam unter dem betonten forschen Schritt und der gewollten Aufrichtung. Die Sonne scheint auf Vaters Rücken und Hinterkopf. Nein, es ist nicht zu warm, es ist doch ganz schön hier draussen. Wir haben im Zimmer kurz in die Zeugnismappe von Wolfram geschaut. Da ist eine komplette Zeittafel von Beginn an. Vater schüttelt den Kopf. Ich freue mich. Was habe ich davon, sagt er etwas traurig und zusammengesunken. Nichts. Wir haben etwas davon, erwidere ich, die Kinder und Enkel, von Deiner Zeit in diesem Spätsozialismus. Ein großer Aufbruch. Da nickt er lächelnd. Es ist so. Ein großer Beginn. Das habe ich vorher nie erfahren.

Montag Mai 13th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat, 12.5.13

Rein und Raus

Es gibt Bleibendes

Respighi schafft Musik, dramatisch und machtvoll. Der Älteste sucht das alles aus spotify heraus, diesem ersten großen weitgehend kompletten und durch niedrige Beiträge finanzierten Web- Musikboard. Dazu die Frühe Sonne am Blauen Himmel, der gestern in Potsdam freigeregnet wurde. Ein Freier Tag für Körper und Sauna. ++ Der Doppeldecker fährt so souverän, schwungvoll und fast schwerelos seine Masse durch die Stadt, traumhaft sicher Abstände herstellend, vorsorglich bremsend, wieder voll beschleunigend und an die Haltestellen rauschend, wo die Leute aus- und eintreten wie in einen Dampfer, ein Hausboot, eine große Dschunke. Was für ein Gefühl von Kompetenz, Bestätigung, ja Spiel muss das auch für den Fahrer sein neben allem Stess der Großstadt. Was hat daneben noch die Chance kontinierlicher Bestätigung. Schon das Treten und Lenken meines kleinen Rades sind immer wieder erhebend und erfreuend ohne Verschleiß, über die Jahre und Jahrzehnte hinweg. ++ Nein, erklärt der Mittlere, sie bleiben auf ihren Plätzen und Du sollst hinkommen und sie lassen das Kind anrufen, keine Bewegung in die Stadt, kein unbefangen - neugieriges Aufsuchen der alten, doch damals durchaus vertrauten Orte, die sich so gravierend geändert haben, soviel zu entdecken bieten mit allen Rückzugsmöglichkeiten an die Peripherie zu jeder Zeit. Dagegen nun zieht die Suppen- Auslöfflerin aus Chemnitz ratzbatz nach Rügen, kommt, sucht Euch aus, was ihr braucht und ich nicht mitnehmen kann und helft verladen. Aber sie stand auch lange in dem, was sie Sumpf nannte. Manchmal wird es doch. ++ Doch, es gibt Bleibendes, Bestand, sich bewahrend gegen alle Erwartung, beinah unmerklich, aber zäh und trotz kleinen Abrissen immer wieder auftauchend neben dem Einfahren und Ausscheiden, also auch Leben, der bewusstere Teil vielleicht.

Montag Mai 13th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat 11.5.13

Rein und Raus

raus, wohin sonst

Alle klauen und lügen, sollen die Bulgaren sagen. Wer regiert, will sich, die Familie und Freunde zu bereichern. Es ist das ärmste Land in der EU, aber ist die Nr. 2in der Schuldenrückzahlung und hält Maastrich ein. Das ist die Kurzfassung der Extreme. Der bürgerliche Milliardär- Präsident tritt zwei Monate vor der Wahl zurück, er wolle kein Militär gegen das Volk einsetzen. Er wird wieder gewählt werden. Er ist der bessere Mafiosi. Die Protestler haben sich wie gewohnt gespalten und stehen in unterschiedlichen Bürgerbewegungen gegeneinander. ++ Ich habe die Givebox in der Steinstrasse geordnet, ganz ruhig, ganz für mich, ganz selbstverständlich, eher erfreut als im Groll auf irgendjemanden, der die Sachen so herumgeworfen hat. So soll es sein. ++ Martens Party kann ich auch als Aufforderung gehen, an den Wochenenden wirklich endlich zu verschwinden, zu M. möglicherweise, wie ich es immer geplant habe. Selbst Ohropax war wieder möglich, so dass ich doch leidlich schlief. ++ Der Venylspieler spielt wieder alte Platten aus Frühen Jahren. Aki Takase, Jazz und Zen- Musik mit schneidenden Saiten. Ja, die Eisheiligen sind angekommen. Sie stehen auf meinem Thermometer und es fällt um 7 Grad. Ich habe sehr glücklich meine Zahlen geschaukelt, nachdem die Bässe aus dem Fenster der bekannten Nachbarin kamen. Es sind Wenige, Einzelne, Vereinzelte. Die Zahlen fügen sich in die Formularen. Sie nehmen Stück für Stück alles auf, formen sich zu multiplen Speichern.++ Ziedan (Azazel) Jg. 50 hat es also zusammengerafft, dieses Sein und mein Leben und das Ähnlicher. Und er trifft die Liebe und er weiß, dass es immer ein Ende gibt und schneller als geahnt und dass gerade die Große Geste und das Große Gefühl zusammenbrechen müssen. Am Fußboden kann man nicht zusammenbrechen mit sich und nirgendwo, wenn man es kann. 

Montag Mai 13th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat 8.5.13

rein und raus 

Mein Leben mit Radio

Wir wollen es notieren: 9:12 aufgestanden nach der schönen Nacht. 12:00 der Besuch mit Massage, Rundgang und ohne Rituale. Es ist wenigstens angesprochen worden. 15:00 etwas hastig und knapp die späte Mittagssuppe in der Zeitung, der plötzliche Entschluß, die 13er Änderungen an Budget und Stellen in die bewährte Tabelle zu bringen und die übergriffige Abweisung von Frau Genossenschaft, ich solle eine Stilberatung nehmen. 18:00 bis 20:00 die Verarbeitung auf der Freitreppe gegenüber dem Reichstag, von der sich dann überraschend zwei laut schreiende Lichtenberger Biker stürzen sollten, es sei eher aus zu großer Vertrautheit geschehen als aus einer Verletzungsabsicht und die Genossin habe sich noch gefangen und mich dennoch zum Mittwochsclub eingeladen. 21:00 Mittag mit Curryfleisch ohne Curry und Reis, ein eher noch gelungener Kompromiss. Dann 21:00 bis 24:00 ein überlanger Monolog über meine glückliche Zeit während der langen sozialistischen Revolution in der Industrie vor meiner Nachbarin, die das kommende Dilemma erkannte, bevor sie erschöpft zusammensank. Dann schließlich bis 5:00 das endlose Getrappel des Jungvolks von und zu den Partystätten und vor dem Volkstheater bis soeben die junge Frau Ach Du Scheiße sagt, die nächste Fete ist um halb vier, die Partyschuhe von den Füßen streift, Clogs anzieht und davon stöckelt. Was soll da werden. ++ Da ist nichts zu dramatisieren und nichts wirklich dramatisch. Die neuen Kollegen gegenüber haben auf Ansprache um 12:00 sofort den Balkon geräumt und die Softwareschmiede über Netto schwieg gegen 4:00, als ich aus dem kurzen Albtraum aufschreckte, der mit dem unförmigen Schnürsenkel rechts endete, der dem unmäßigen Streit mit Frau H. folgte und klärte, dass ich mit niemandem nirgendwohin gehen wollte. 5:10 quellen die letzten Teens hinter dem Gitter des Betriebshofes hervor und die erste Taube schreit.  

Mittwoch Mai 8th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat 7.5.13

rein und raus  

raus

Bisher hat das alles funktioniert ohne den Partner im Dauerbetrieb, der früher immer so schnell verschlissen wurde und mit ihm ich und mit mir er. Die Arbeit und die Medien, Radio und Blogs, Bücher und Texte, Musik und Singen waren zur Stelle. Dazu Berichte für die Illusion, es könne bis zum Schluß so tragen, bleiben, gelingen mit definierten Außenkontakten, die auf Abstand gehalten werden ohne Verletzungsgefahr, ein-, zweimal bewegt und oder dann abgebrochen, aufgegeben, verschoben auf wenige Termine. Doch was sagen die Berichterstatter nicht. ++ Bisher habe ich mit Selbstzensur geschrieben und in Texten, die eh keiner versteht. Es liegt nahe, das sein zu lassen oder doch einzuschränken. Es hilft weder mir noch anderen, die Krankheitsberichte zu lesen. Das Blut ist nun auch noch schlecht, die Schulterheber kommen schon beim Lesen, es muss alles umgestellt werden, völlig zu recht. ++ Ich hätte, schreibt die Clownin, in dieser Nacht mit Dir kommen sollen. es ist wohl das genaue Gegenteil von dem, was ich vermutet habe. Nein, soetwas muss ganz langsam und vorsichtig wachsen und über Zuwendung und Mitgefühl, praktische gegenseitige Hilfe oder eben einfach Reisen. Was werden da die Rituale helfen? Das kann mensch nicht wissen, wir werden es probieren müssen und aufpassen, dass wir nicht unter der Hand scheitern. Mit der Augenfrau scheint alles näher und doch noch viel weiter. ++ Ich bin ein Maschinenworkoholic und ich habe die Krankheiten solcher Leute wie damals die Eisengießer und Dachdecker. Dazu kommen das Alter, Verkalkung und Blutdreck durch Essen, Hautschrumpel durch fehlendes Trinken, Abnutzung durch Überforderung. Ich muss in die Reinigung gehen und der Versuch zählt, denn Beweise gibt es eh nicht. Ich brauche Geduld. Es wird bis zum Jahresende dauern. Vielleicht länger. Bisher ging alles neu und - besser.

Mittwoch Mai 8th // Filed under: Geschlecht,

Aus Kopf und Kragen

Bahr bleibt gläubig

Bahr also, 91 jährig, hypt die SPD als die erste Gleichheits- und Einigkeitspartei, die in jeder Koalition zur Rettung Europas verlieren würde, das eh nur durch den Beitritt der Briten in Bewegung käme, der aber nicht absehbar zu erreichen sei durch niemandem und durch die Reduzierung des Vereins auf die Eurozone. Adenauer habe weder Einheit noch Europa gewollt, Kohl nur die Gelegenheit ergriffen, die Früchte von Brandts Ostpolitik zu ernten und Merkel wolle außer der Macht nichts. Da greift er wohl parteibegeistert zu kurz, der großartige Stratege, denn die Großen Themen wie Atomaustieg, Energiewende und Integrationspolitik kommen halt von ihr und Brandt hat nun einmal keiner fortgesetzt in seinem Haus. Diese Themen legen die Koalition einer hierarchischen, basisfernen klassischen Klientelpartei mit einer anderen eher nah als fern und Steinbrück wird sich nicht bücken müssen, sondern möglicherweise aufrichten können mit der pragmatischen Kanzlerin. ++ Um im Netz die Sonntagsöffnungszeiten von Netto zu finden und dort Backflaumen zur Beschleunigung der Abfuhr zu erstehen, soll ich mich wieder irgendwo anmelden. Man sollte am Sonntag überhaupt nicht einkaufen, sagt die Nachbarin und so die Ausbeutung verstärken. Meine Kunstblume schlägt in der Fenstersonne begeistert ratternd mit den Flügeln. Die albanische Ex- Amerikanerin füllt mit leidend - harter Stimme die Strasse, aber es liegt eher an der Situation, als an der Ethnie, würde Geiss in seinem Fundamentalen Üerblick über die Geschichte erklären. Nicht die Umstände, erklärte gestern irgendjemand in meinem Radio, sondern die Einstellung hätten Karlifornien nach vorn gebracht und in die Welt verbreitet. Aber es ist wohl wieder nur diejenige Einstellung, die die Umstände komplex und elastisch berücksichtigt. Die Welt scheitert gerade an der karlifornischen Einstellung. Das bleibt hinter der Zeit.

Montag Mai 6th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat 3.5.13

Von den Kontinenten

Das volle Programm

Kurz vor 6 immer noch 30 Grad in der Sonne. Der Kopf immer noch nicht klar, der Körper schwächlich, der süße Ökowein aus dem Osteuropa- Workshop von nachhaltiger Sprengkraft. Kaffee geht wieder, der erste kurze Rundgang sieht eine fast nackte junge Frau im Weinberg hinter ihren hohen Stiefeln liegen. ++ Die erste Nachbarin lernt Französisch,um ihrer Tochter helfen zu können. Mathe macht die Nachhilfe, aber schlecht. Sie wird mit dem Helfer reden müssen. Es geht nichts von selbst gut. Die zweite Nachbarin jobt fremdbestimmt, merkt, wie selbst an drei 8 Stunden Tagen die Energie für alles andere verschwindet und hat Sorge, dabei auch noch den Anspruch an freies Gestalten zu verlieren. Das Volkstheater kündigt Nachtverladearbeiten an. Ich werde jetzt den Platz vor der Bank im kleinen Park reinigen. der Große ist mit Enkel im Norden, der mittlere Sohn genießt seinen Internetauftritt, das ayuverdische Kochen und den intakten Freundeskreis. ++ Die neue taz am wochenende hat 52 Seiten inklusive Kontext. Die Beilage ist doch besser, als gedacht, aber doch wohl nicht spendenfinanziert und Vorbildmodell. Harte Zeitungskritik, Forderung nach einer 180 Grad Wende zum Leser, um den Wegbruch des Mediums zu stoppen. Mein GF prognostiziert Printwochenende und epaper- Woche als das kommende Geschäftsmodell. ++ Britanniens neue Rechte Ukip als rechte Variante der 5 Sterne, Deutschpirat Ponader geht, weil er als Harzt IVler sein Thema Grundeinkommen nicht nutzt, für eine andere Umverteilung könne so nur rot- rot- grün stehen, die Hollande in Frankreich auch nicht gelingt. Fücks will für Grün grünes Wachstum für Innovation im Innern und Wettbewerb gegen die Großmächte Außen. Kulka weiß, dass man auch nach dem KZ überleben überleben muss: Allein die Authentizität der Entfremdung ist authentisch und der Theologe Steffensky weiß: Nur die Gemeinde gilt.

Sonntag Mai 5th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat 1.5.13

Aus dem Kopf

Atomschlag von links

Am Tag Null gehe ich durch die Torstrasse bis zum Ende und sie geht durch mich bis zum Ende. Das ist schon Wochen her. Die Straße hat sich wieder entfent. Ich beginne wieder zu schreiben, was zu schreiben ist. Das Leben geht weiter - die Hopi- Ohrkerzen werden kommen. Die Eingriffe sind immer wieder eine Zumutung. Sie erfolgen auf der gesamten Breite. Der Körper revoltiert kontrolliert. Alles ist bekannt. Es geht um Umsetzung. ++ Alles, sagt der Große, muss überlegt werden für einen einigermaßen guten Schlaf. Es wird irgendjemanden geben, der Rat weiß. Ich würde erst in eine tiefe Depression fallen, dann alles kurz und klein schlagen und dann solange suchen, bis ich Hilfe finde. Es geht nicht so einfach: Tinnitus, Lärm, kein Schlaf. Das scheint nur so klar. Dazwischen sind viele Stationen. Du machst doch schon viel an Deiner äußeren und inneren Welt dagegen. ++ Wir haben, antworte ich immer wieder, eine freie Ordnung, also Gewaltenteilung und eine liberalen Staat, der an der Gesellschaft verdient und von ihr abhängt, Staatsangestellter für Staatsangestellter. Wir müssen machen. Ich muss machen. Das Nötige ist das Mögliche. ++ Die Änderung des Systems, sagt der Chriropraktikers freundlich lächelnd aus seinen leicht geröteten Augen, kann ich nur anschieben. Wenn zunächst die Beschwerden zunehmen, ist das das beste Zeichen. Das System ist eingefahren, die Haltungen lange definiert, der Ausstieg aus ihnen von Außen nicht möglich. Zehn Minuten gibt selbst die linke Schulter bis in den Hals Ruhe. Dann greifen die Muskeln wieder schmerzhaft zu. ++ Der Bekehrte in der <Matrix> greift in die Wand. Sie klebt ihm flüssig an den Fingern und klettert silbern glänzend den Hals hoch bis in den Schlund. Die wirkliche Welt sei eine Simulation auf dem Grund einer Ödnis, Zion oder die Hoffnung unter der Erde. Nein, es ist alles hier. Keine drei Welten, vier Ebenen, Erlösungen extern. Kein Ort im Off.

Mittwoch Mai 1st // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat 13413

Erklärung 3: Die politische Form der Gemeinschaft

Ich denke nicht über Räte und Basisdemokratie nach, die anstelle von Parteienstaat und Staatsparteien treten sollen und das womöglich noch revolutionär, sondern über direkte Kooperation im Rahmen außerparlamentrischer Opposition einer Bürgerbewegung von Nachbarschaften, Szenen und Netzen. Mich interessiert auch Hoffnung sehr wenig (Schelsky setzt gegen Blochs Prinzip Hoffnung seines der Erfahrung), sondern autonome Gestaltung vor Ort, also 15- Minuten - Nachbarschaftsaktive. Überleben kann mensch nur hier durch sein gutes und glückliches Leben sichern, das ist meine persönliche Erfahrung. Um bei Brecht zu bleiben wäre der Enkel auch so abgestiegen zu einem kleinen Gespräch, einer Nachfrage, ein Umfassen des Alten an der Schulter und hätte dann gesagt: Ich weiß Opa, das Schutzblech klappert. Lieber E., Die DDR hat tatsächlich eine Chance vergeben, komplett und nachhaltig. Aber es war wohl eine, die über ihrer historischen Aufgabe lag. Sie hat eben nachgewiesen, dass selbst Sozialismus ohne Freiheit beim besten Willen nicht geht, also Volksgemeinschaft unter welchem Banner auch immer nicht überlebensfähig ist - und dass man ohne Krieg sterben, abttreten kann. Friede ihrer Asche. Die DDR war ein Projekt der gesamten Deutschen Linken. Deren Aufgabe war nicht der Kommunismus, sondern der Sozialstaat. Auch sie hat das sehr früh geleistet und hätte viel früher abtreten können müssen oder eben Verweigerung lernen und vor Ort, unter sich, in Ihrer Neuen Welt Offenheit gestalten. Funktionierende Genossenschaften zu entwickeln - damit war sie überfordert, dazu war sie zu sehr der Klassenkampfpartner der Bourgeosie, Lohnarbeit als zweite Seite des Kapitals, der bestenfalls mitbestimmende Beifahrer im Führerhaus der Industrialisierung! Hinter all dem steht für mich die Suche nach einer politischen - Gemeinschafts - Form für sich entwickelnde menschliche Gesellschaften, die Freiheit und Ordnung (auch wieder Bloch) ins Gleichgewicht bringt. Das sind nicht mehr der Nationalstaat und seine Parteien. Aber die Alternative ist bereits da. Wir müssen sie nur im Alltag sehen lernen. Und selbst betreiben. Herzlich, R.  

Samstag April 13th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat 30.3.13 / 2

Aus der Kopf

Erklärung 2: Die Alten Männer

Die Straße, mein Lieber, wird sich beginnen selbst zu steuern, wenn ich in einem T- Shirt mit unserem Vereinsaufdruck damit beginne: kein Müll, kein Lärm, mehr Grün, normale Miete. Einmal am Tag durchlaufen, den Abfall wegräumen, die Mülltonnen zurechtrücken, den Sperrmüll anrufen und kostenlose Abholung aushandeln, die letzte Belieferungszeit vom Betriebshof von Viertel nach sechs auf sieben schieben, eine starke Taschenlampe als Signalgeber für die paar Innenhofbewohner einsetzen, die die Akustik nicht kennen, die Betriebskostenabrechnung klären. Da müssten sich zwei, drei vieleicht vier Alte Männer wie ich finden, die das machen und dann zusammen vor der Haustür ein Bier trinken und eine Pfeife rauchen. da hse ich schon seit Jahren Geduld mit mir und allen. Das muss wachsen ++ Genau nun an der Straße scheiden sich die Geister. Hier ist von Grünen Bürgern nichts zu merken, hier meinen sie also, sich nicht legitimieren zu müssen, hier fehlen ihnen die Leute, die in den Apparaten bis nach Brüssel sitzen und hier erfahren sie nicht, was sie oben, in Regierung und Parlamenten verweigern müssen, um unten gestalten zu können, vor Ort, bei mir im Kiez. Diese 3,4 Straßen werden sich also allein vernetzen müssen und es werden noch ein paar Alte Männer dazukommen manchmal und sonst eben dasselbe bei sich machen. ++ Mit den Parteien also habe ich keine Geduld, da schimpfe und meckere ich aktuell, historisch und vorausahnend. Gewiß, dafür sind sie nicht geschaffen, aber das will ich auch immer klar sagen: Staat und Partei sterben nur ab, wenn und soweit sie nicht gebraucht werden, überflüssig werden durch diese Gruppen Alter Männer. Lamentieren, also beklagen und mich so entlasten durch Abschieben will ich gerade nicht. Soweit der Vorsatz. 
Tatsächlich, auf die Frauen setze ich nicht, höchstens die Kinder werden mitmachen wollen. So kann es sein. 

Samstag März 30th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat, 30.3.13

Aus dem Kopf 

Erklärung 1: Monolog


Lieber E., kann ich - bis auf die Bewertung - alles unterschreiben! Ich bin überrascht, dass das Gegenteil aus meinen Texten bei Dir ankommt und danke für die Rückmeldung. Was mich beschäftigt ist nicht, dass wir überleben, sondern unter welchen Bedingungen wir leben und welche Chancen und Zwänge wir aus Vergangem und Gegenwart haben, nicht nur besser, nicht nur gut, sondern glücklich zu leben. Das geht zuerst an mich selbst, ist mein innerer Monolog, den keiner teilen muss und den ich einfach mitteile, wie meine Krankheiten, Beschränkungen, Hilflosigkeit, Wut, aber auch Freuden, Hoffnungen, Gelüste usw. Gerade meine Ungeduld mit den ewig gleichen Apparaten hilft mir, die Geduld aufzubringen, meinen Platz zu finden, zu verbessern und komplettieren, an dem ich mich selbst öffnen, ändern, einbringen kann. Das ist z.Zt. nur meine Zeitung, das sind meine Söhne und meine Hausgemeinschaft. Es ist noch nicht meine Strasse und mein Kiez. Erst, wenn ich selbst da zu leben versuche, was ich für allgemeingültiger halte, werde ich wahrscheinlich ruhiger werden.Aber ich bin schwach zur Zeit, bin unvorbereitet auf die Beschränkungen, die mein Körper mir auferlegt und ungeübt, sie geduldig anzunehmen. Ich schlage vor, mehr zu fragen, wenn Dir etwas unsinnig erscheint - was durchaus so sein kann. Ich kann auch gut damit leben, wenn Du von Deinem Eindruck schreibst, dass ich zu viel schimpfe und fragst, wie denn das eigentlich sein kann. Mit einer Bewertung und Beurteilung wie <lamentieren> kann ich schlecht leben. Das verletzt mich. Ich habe versucht, zu Ostern mit einem Freund zu sprechen, der die Verbindungen haben könnte, so ein Projekt wie von Dir beschrieben umzusetzen. Er ist in Urlaub, aber ich werde dranbleiben. Er ist in Urlaub, aber ich werde dranbleiben. Es ist sicher nicht mein Weg, aber es gibt Milliardäre, die weltweit  versuchen, staatsübergreifend Natur via Kauf zu sanieren. Herzlich

Samstag März 30th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat, 28.3.13

Von Volk und Führer

Im Wattenmeer

Micha B. schon am Morgen in Kautskyscher Behäbigkeit gegen Negri und Hardt, sie würden die mühsame Kleinarbeit der Partei geringschätzen, ja denunuzieren zugunsten handlungsunfähiger Bewegungen. Wer erst einmal in der Partei steckt, merkt wahrscheinlich nicht mehr, wie er selbst seine Energie und die aller anderen in den Apparat bindet und aus der praktischen Veränderung praktischer Menschen ausscheidet. Parteien ziehen seit langem mit hoher Sicherheit alles aktive an und blockieren es das dann auch noch in Fraktionsdisziplinen. Gerade ohne die Linke als Partei würde nichts fehlen als ein Ort Verlorener und bestensfalls das Dach bleiben für die Freien Gruppen. Aber dafür steht Micha B. eben doch nicht. ++ Der Tag gerät zur schönen Rechenmaschine, Seite um Seite, Korrekturen, drucken, interpretieren, auf die Tische und in die Kästen legen. 2012 liegt endlich weitgehend zu den Akten. Dann noch Mc Fit, Günther steht am Tresen, lächelt breit, streckt seine Hand nach Männerart aus und fährt die Lautsprecher herunter. Der Karfreitag ruckt heran. ++ Göttingen, Institut für Demokratieforschung, Hausmänner, Kinderlose, keine Kleinen Leute und Sozialwissenschaftler, 70% Männer wüten in 200 Tiefeninterviews gegen Scheindemokratie und Lobby, aber ohne Verständnis für Politik. Sie sind ja nicht blöd, sie wollen einfach kein falsches <Aushandeln> mehr, dass überwiegend Kungelei, falscher Kompromiss und Selbstbestätigung ist. ++ Morgens das zweite Ohr. Das Frühstück bei der Christin. Der Gang zum ZDF und zu Kater Karl. Dichter Nebel über allem, ab und an ein paar Wolkenschiffe, durch die Sonnenspitzen blinken in ausreichend gewaltiger Ferne, das schwappende Wattenmeeer an den Füßen und kein Land in Sicht als die eigne Scholle, die sich langsam durch den Schlamm der Jahrzehnte schiebt über dem Glatteis der Jahrtausende. Da richten nur kurze Begegnungen mit den Wenigen das Gleichgewicht.

Samstag März 30th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat, 25.3.13

Aus dem Kopf

Island voran

Das Leben, sagt der Speicher, besteht aus Lücken. Je mehr wir schließen, desto mehr reissen auf. Das ist Ansicht und Erfahrung. Das Ganze des Lebens muss zusammengedacht werden. Der Denker und Schreiber ist der Flicker, der Teppichknüpfer von Izmir. ++ Das zuviel an Möglichkeiten. Reizen und Informationen zwingt uns zu Selektion, Reduzierung und Entscheidung. Die Produkte mobilisieren und terrorisieren die Produzenten. Es ist, wie es ist, sonst wird nichts ++ Bestätigung und Orientierung sind ohne Instinkt und an den Grenzen der Intuition menschliche Handicaps. Gestaltung durch Auswahl und Aneignung durch Anpassung sind die Schlüssel. ++ Die moderne Maschine für den den moderne Mensch, der sich durch vier Familien, 100 Frauen und bestimmt 2000 Studenten hindurchgearbeitet hat. Wir jedenfalls machen was falsch, sagt der Älteste Sohn: entweder das, was wir nicht machen sollen oder nicht das, was wir machen sollen. ++ Island macht was richtig, sagt mein Radio: Läßt die Banken mitsamst Schulden krachen, wertet die Währung ab, gibt sich eine Clowns - Partei <die Besten>, die die Frustrierten heiter sammelt, das Gros der Regierung stellt, eine Reichen- und Vermögenssteuer einführt, die sozial Schwachen stützt, die Ursachen des Bankrott mit Sonderkomission und Sonderstaatsanwalt findet, 33 Profiteurfamilien von 350000 Bewohnern ermittelt und nicht in die EU will. ++ Meine Zeitung ist noch unentschieden: Sie schwankt zwischen Eurobon - Auffangsgesellschaft EU, <Hör ZU als Beilage von Hundefutter> Verlagsstrategie, Erstürmung des Wochenendes a la Winterpalais, durchgreifender Budgetierung und Gesprächsmarathon als Verständigungsmodell. ++ Ich ermahnte meine Schultern zum Hängen, fügte häufige Hausgänge zwischen die Zahlenarbeit und ging rechtzeitig durch den Winter davon. Die Sonne scheint schon milder, Berlin baut emsig überall auf und ab und via U55 wird Hönow regierungsnah.

Dienstag März 26th // Filed under: Geschlecht,

Aus dem Pensionat, 23.3.13

Aus der Nachbarschaft

Ein Korsett bitte

Diese frühen Dylansongs; it aint me,babe; all I really wont to; I wont you; sie beschreiben alles Wesentliche, was ein Mann einbringen kann in eine Partnerschaft und was ihn hinaus-treibt oder draussen hält. Außerdem: Mönche und Nonnen, getrennt gehalten, werden gleich alt! Und: es ist eben eine Variante der Großen Illusion von Gott, dem Vater, der dann auf den Mann als den nächstmögliche Anderen übergeht, dass er alles richte im Persönlichen, wie der Staat, die Partei und der Führer in der Gesellschaft oder über ihr. Und Mann sucht dann, weil keine andre Illusion mehr da ist, Mutter oder sein Auto. Die Illusion dahinter ist die der ungetrübten Heiligkeit. ++ Die Nachbarin sagt <Waffelcreme>; Neger-kuss sei rassistisch. Ob sich schon einer bei ihr beschwert habe? Ob sie selbst versucht hätte, einen Schwarzen danach zu fragen, vielleicht sogar mehrere, um Klarheit zu kriegen? Sie verneint. Es sind also wahrscheinlich wieder Deutsche mit Definitionsdruck und vorauseilender Korrektnis. Und wie man denn sonst den Farbigen nennen sollte? Sie weiß es nicht. Bruder, meint sie. Sie würden untereinander alle Bru-der sagen. - Das war die Sendung von der Maus, die verschmitzt kichert. ++ Ihre Großmutter, erklärt die andere Nachbarin, habe ihr zur Verbesserung ihrer Haltung ein BH- Hemd verpasst, das wie ein Korsett die Aufrichtung dauernd anmahnt und erzwingt. Da gibt es ein Fachbuch von Thieme mit ritterrüstungsähnlichen Apparaten. Und die Kasse budgetiert, also ein neues Feld der Aushandlung mit Ombudsmann im Hintergrund. ++ Tron also ist Siegfried digital, langweiliger Befreiungsscheiß per Diskuswurf mit zitternder Jungfrau an der Seite, der Deutschland nach Europa öffnet und das noch in die Welt. Und dann soll noch Tron- Aufstand kommen - welch Schreck über die Welt. Dagegen die alte Analyse der bürgerlichen Gesellschaft von 76 von Nitsche /Kröber. Welten. 

Sonntag März 24th // Filed under: Geschlecht,